(06.11.2007) Erst haben die Arbeitgeber auf breiter Front die Tarifverträge gekündigt, jetzt präsentiert der Landesverband des Kraftfahrzeuggewerbes Hamburg – als erster Verband im Norden – seine Forderungen.
Nach dem Auftakt in Nordrhein-Westfalen haben die Arbeitgeber damit nun also auch in Hamburg die Katze aus dem Sack gelassen. Ihre Liste ist lang: Längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich, Einkommenskürzungen und der weitere Abbau tariflicher Ansprüche und sozialer Leistungen sind ihre Hauptziele.
Die Arbeitgeberverbände der KFZ-Branche aus Schleswig-Holstein haben der IG Metall offiziell noch keine Forderungen übermittelt. Nach den Äußerungen einiger Obermeister wird sich der schleswig-holsteinische Forderungskatalog aber nicht wesentlich von denen in Hamburg und Nordrhein-Westfalen unterscheiden.
In vielen Betrieben an der Küste bereiten Kfz-Beschäftigte sich ab sofort auf den aktiven Widerstand gegen diese Angriffe vor.
Die grundsätzliche Linie der Kfz-Verbände und ihre Absichten sind überall klar erkennbar: Die Arbeitgeber wollen die Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden ohne Entgeltausgleich. Sie sagen, das Entgelt bliebe dann ja gleich. Faktisch führt die Verlängerung auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich aber ganz klar zu Einkommensverlusten (z.B. in Hamburg beim Ecklohn von derzeit 13,32 Euro auf 11,99 Euro die Stunde). Das entspricht einer Kürzung des Stundenlohns um 10 Prozent. Denjenigen, die heute schon nach Tarifvertrag 40 Stunden bezahlt arbeiten, würde das Einkommen entsprechend gekürzt werden (müssen).
Die Arbeitgeber behaupten auch, die Arbeitsplätze seien trotzdem sicher. Tatsache ist aber: Der Fahrzeugverkauf ist stark rückläufig. Die Werkstätten sind nur mangelhaft ausgelastet. Wenn dann noch die Arbeitszeit verlängert würde, verschärft das die Beschäftigungsprobleme. Die Folge: Entlassungen.
Mit der Vorlage dieser Forderungen haben die Arbeitgeber ihre Maske fallen lassen: Sie haben jede soziale Verantwortung für die Kfz-Beschäftigten abgelegt und zeigen eine beispiellose soziale Kälte.
Die zweifelsohne im Kfz-Handwerk bestehenden Probleme werden durch diese Politik der Verbände, die sich gegen die Beschäftigten richtet, nicht gelöst. Im Gegenteil: Wer statt zu motivieren mit der Brechstange gegen Tarife und soziale Leistungen vorgeht, schafft neue Konflikte und verschärft die Probleme eher, statt zu deren Lösung beizutragen.
Wir finden, es reicht jetzt! Wir Arbeitnehmer sind Menschen, ohne die im Betrieb nichts läuft und wollen nicht zu »Kostenfaktoren« abgestempelt werden. Wir erwarten faire Behandlung und akzeptable Bedingungen. Der Tarifvertrag ist dafür eine Voraussetzung.
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