(17.09.2009) Die Betriebsräte von ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) in Emden, Kiel und Hamburg haben in ihrer heutigen Vollversammlung von dem Konzern ein industrielles Konzept gefordert, das den Fähigkeiten und Kenntnissen der Standorte sowohl im militärischen als auch im zivilen maritimen Sektor gerecht wird.
Erklärung der Betriebsräte von TKMS anlässlich der Tagung am 17.09.2009
zum Konzept des Vorstandes von TKMS
Der Vorstand von TKMS hat ein Konzept vorgelegt, dass im wesentlichen vorsieht:
• Einstellung des Schiffbaus in Emden
• Verkauf des zivilen Schiffbaus in Kiel
• die Möglichkeit der Einstellung / oder des Verkaufs der zivilen Aktivitäten
(Yachten, Reparatur, Komponenten) in Hamburg
Dadurch entwickelt sich TKMS zu einer reinen Marinewerft. Begründet wird dies von TKMS mit den Überkapazitäten im Handelschiffbau.
Wir aber wissen, dass die einseitige Abhängigkeit von Rüstungsaufträgen die Existenz von TKMS insgesamt gefährdet. Tausende von Arbeitsplätzen an der Küste stehen auf dem Spiel.
Aus Sicht der Arbeitnehmervertretungen von TKMS ist die Situation von TKMS durch die Überlagerung und gegenseitige Verstärkung von mehreren Problemen geprägt:
1. Die Auswirkungen der Finanzkrise auf ThyssenKrupp
2. Der internen strukturellen Probleme bei TKMS
3. Die Probleme im Bereich des Handelsschiffbaus und der Krise der Schiffsfinanzierung durch die weltweite Finanzkrise
4. Der nicht bewältigten Europäisierung der Marineindustrie
und den Fehlern des Managements bei TK, TKT und TKMS.
Besonders gefehlt hat bei TKMS eine langfristig angelegte Produkt- und Organisationsentwicklung, die TKMS offensiv auf Zukunftsmärkte im Maritimen Sektor ausrichtet.
Mit dem neuen „Konzept“, wird dieser Fehler wiederholt und nur defensiv mit Produkt- und Kapazitätsreduzierung reagiert.
Die Orientierung auf Aktivitäten im Offshore - Sektor ist ausdrücklich zu begrüßen. Die Arbeitnehmervertretungen erwarten ein industrielles Engagement von ThyssenKrupp in diesem Wachstumssektor. Dabei begrüßen wir ausdrücklich das Vorhaben von SIAG, seine Aktivitäten als Know how – Träger in Emden auszubauen.
TKMS erhalten und erneuern
Maritime Sicherheit, Offshore-Energiegewinnung und Meeresumweltschutz (Green Ships…) werden weiter als Märkte an Bedeutung gewinnen.
TKMS muss sich auf die Veränderungen einstellen und diese aktiv gestalteten.
Die Tätigkeitsfelder liegen im Bereich Spezialschiffbau und ökologischer Schiffstransport, Reparatur, Umbau und Service als Anbieter zur für Lösungen von komplexen Aufgaben in den Märkten:
• Spezialschiffbau
• Marineschiffbau
• Großyachten
• Offshore
• Meerestechnik
• sowie als Reparaturwerft und Komponentenhersteller für alle Schiffstypen und maritimen Anlagen
Wir sind bereit diese Veränderungen mit zu gestalten.
Wir wissen, das diese Orientierung ein hohes Maß an Eigenständigkeit, Spezialisierung und Effektivität innerhalb der unterschiedlichen Produktbereiche von TKMS voraussetzt, damit sich die unter einem Dach befindlichen unterschiedlichen Produktbereiche optimal auf ihr jeweiliges Marktsegment ausrichten können und gleichzeitig Synergien genutzt werden können.
Dazu werden wir im Rahmen unserer Möglichkeiten beitragen.
Wir fordern vom ThyssenKrupp - Konzern:
• Erarbeitung eines tragfähigen industriellen Konzeptes, der der wirtschaftlichen Situation, aber auch den Fähigkeiten und Kenntnissen der Standorte, sowohl im militärischen als auch im zivilen maritimen Sektor gerecht wird.
• TKMS muss sich zu einem Anbieter von innovativer maritimer Technologie entwickeln.
• ThyssenKrupp muss seine industrie-, beschäftigungs- und regionalpolitische Verantwortung für die Standorte aufrechterhalten.
• Keine Ausgliederung oder Schließung der zivilen Neubaukapazitäten!
• Kein Verkauf bzw. Schließung von Standorten und keine betriebsbedingten Kündigungen!
• Keine Schaffung eines nationalen Rüstungskonzerns mit Monostrukturen und dem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit im Schiffbau.
• Das terminliche Diktat der Beschlussfassung bis zum 30. September 2009 ist inakzeptabel und unseriös. Die Entscheidung über das Konzept muss ausgesetzt werden, bis diese Fragen geklärt sind.
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