DGB-Chefökonom Dirk Hirschel

Finanzkrise kein Grund zur Bescheidenheit

(08.10.2008) Der Chefökonom des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Dr. Dirk Hirschel, hat den Arbeitgebern vorgeworfen, die Finanzkrise in der laufenden Tarifrunde zu instrumentalisieren.

„Die Probleme auf dem Kapitalmarkt sind kein Grund zur Bescheidenheit“, sagte er vor den 120 Mitgliedern der Großen Tarifkommission des IG Metall Bezirks Küste. „Die Unternehmensgewinne sind in den vergangenen Jahren explodiert. Löhne und Konsum kommen aber nicht vom Fleck“.

Nach Angaben von Hirschel sind die Unternehmens- und Vermögensein-kommen von 2000 bis 2007 um 52 Prozent, die Arbeitnehmerentgelte aber nur um acht Prozent gestiegen. Diese Umverteilung von unten nach oben müsse gestoppt werden. Die Bezirksleiterin der IG Metall Küste, Jutta Blankau, bekräftigte die Forderung nach 8 Prozent mehr Lohn und Gehalt: „Wir wollen mehr von dem Kuchen abhaben, den wir erwirtschaften.“

DGB-Chefökonom Hirschel trat Spekulationen entgegen, dass Unternehmen durch die Krise an den Kapitalmärkten in schwere Finanzierungsschwierigkeiten kommen. Viele Großunternehmen würden im Geld schwimmen und seien bei Investitionen nicht auf Fremdkapital angewiesen. Hirschel forderte, angeschlagenen Großbanken nur dann mit Steuergeld zu helfen, wenn es auch eine Gegenleistung gibt. „Der Staat muss sich dann Eigentumsrechte sichern“, so Hirschel.

Die Große Tarifkommission hat heute in Hamburg das weitere Vorgehen in der Tarifrunde für die 150.000 Beschäftigten der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie diskutiert. Die Delegierten bestätigten außerdem den „Tarif-vertrag für Aufbau und Sicherung von Beschäftigung“. Dadurch kann zur Si-cherung von Arbeitsplätzen weiterhin befristet von tariflichen Mindeststandards (z.B. Kürzung von Sonderzahlungen, Erhöhung oder Absenkung der Arbeitszeit) abgewichen werden. Der Tarifvertrag kann frühestens am 31. Dezember 2011 gekündigt werden. Darüber hinaus sprach sich die Große Tarif-kommission einstimmig für die Neuregelung zur Altersteilszeit aus, die einen flexiblen Übergang in die Rente nach 2009 sichert.