Konferenz im Europäischen Parlament

Gewerkschaften kämpfen für Schiffbau in Europa

(24.06.2010) Die Metallgewerkschaften haben ein Sofortprogramm zur Rettung des Schiffbaus in Europa gefordert. „Die Schiffbauindustrie ist durch die Krise in ihrer Existenz gefährdet“, sagte Heino Bade, Vorsitzender des Sektorausschusses Schiffbau im Europäischen Metallgewerkschaftsbund (EMB) auf einer Konferenz der Gewerkschaften und des Europäischen Schiffbau-Verbandes CESA im Europäischen Parlament in Brüssel.

„Im vergangenen Jahr haben bereits 40.000 Kolleginnen und Kollegen ihren Arbeitsplatz auf eu-ropäischen Werften verloren. In diesem Jahr sind weitere 20.000 Beschäftigte von Arbeitslosigkeit bedroht“, so der Gewerkschafter.

Die Märkte seien durch einen Auftragsrückgang um rund 90 Prozent faktisch zusammengebrochen. Auch in diesem und im nächsten Jahr sei keine Erholung zu erwarten. In einigen Bereichen wie zum Beispiel im Containerschiffbau werde der Markt erst 2013/2014 wieder anziehen, erklärte der Schiffbauexperte. „Dazu kommt weltweit ein ruinöser Unterbietungswettbewerb um die wenigen bestehenden Aufträge.“

Um den Schiffbau als Zukunftsindustrie in Europa und damit die Arbeitsplätze insbesondere in strukturschwachen Regionen wie Galizien, der Bretagne oder Mecklenburg-Vorpommern zu sichern, fordern die Metallgewerkschaften ein Sofortprogramm, das für mehr Nachfrage sorgt und auf Umweltschutz sowie Innovationen setzt. Die Forderungen im Einzelnen:

1. Nachfrage generieren
Fähren, die älter als 30 Jahre sind, sollen möglichst durch Neubauten ersetzt werden.

2. Schiffsfinanzierung sichern
Sicherung der nationalen Finanz- und Bürgschaftssysteme für den Schiffbau und die Evaluierung der europäischen Finanzierungs- bzw. Steuervergünstigungen für den Schiffbau.

3. Umweltschutz und Innovation
Strategische, gesetzliche und finanzielle Anreize, damit Reeder umweltfreundliche und energieeffiziente Schiffe in Auftrag geben, z.B. Ausweitung von SECA / ECA-Gebieten auf alle EU-Küsten. Forschung und Entwicklung müssen deutlich intensiviert (z.B. auftragsunabhängige Innovationsbeihilfen) und die Förderung von Nachwuchskräften verstärkt werden.

4. Herstellung gleicher Wettbewerbsbedingungen
u.a. Prüfung von Handelsmaßnahmen gegen unfaire Wettbewerbsmaßnahmen asiatischer Staaten.

5. Beschäftigung sichern, Deindustrialisierung verhindern

:: Medien-Information 33 / 2010 (PDF | 20 KiB)

:: Erklärung des Sektorausschusses Schiffbau (PDF | 88 KB)