(13.03.2017) Besser statt billiger: Auf einer Betriebsrätetagung fordert die IG Metall von den Bundesländern eine aktive Industriepolitik, die Kriterien für gute Arbeit wie Tarifbindung und Ausbildung berücksichtigt.
"Wer Steuermittel bekommt, muss nach Tarif bezahlen, ausbilden und darf Leiharbeit nicht missbrauchen", sagte Wolfgang Lemb, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, auf der Betriebsrätetagung in Kiel. "Wenn die deutsche Industrie auf prekäre Beschäftigungsverhältnisse und schlechte Bezahlung setzt, kann sie nur den Kürzeren ziehen. Sie muss besser statt billiger sein", so Lemb weiter.
Nach Ansicht der Gewerkschaft setzt die Landesregierung in Schleswig-Holstein mit dem Bündnis für Industrie wichtige Impulse. "Energiewende, Industrie 4.0 und maritime Wirtschaft bleiben auch für die nächste Landesregierung die zentralen Themen", sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter IG Metall Küste. "Unverständlich ist für uns, warum die Arbeitgeberverbände den Begriff ‚gute Arbeit‘ als Kampfansage verstehen. Statt den Flächentarif schlecht zu reden, sollten sie lieber gemeinsam mit uns und der Landesregierung für gute, tarifliche Arbeitsbedingungen eintreten. Eine bessere Werbung für die Industrie gibt es nicht", so der Gewerkschafter.
Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) bedankte sich bei den Gewerkschaften für das Engagement in Sachen Industriepolitik: "Mit dem Kieler Appell hat die IG Metall dafür gesorgt, dass die Landeshauptstadt wieder stärker als Industriestandort wahrgenommen wird. Auch im Bündnis für Industrie.SH waren die Gewerkschaften Treiber des Prozesses, den wir nach der Landtagswahl mit den Schwerpunkten Energiewende und Industrie 4.0 fortsetzen wollen."
"Aus dem Kieler Appell der IG Metall ist inzwischen der Industriepolitische Dialog der Landeshauptstadt Kiel mit weiteren Akteuren wie der Industrie- und Handelskammer sowie der Wirtschaftsförderung entstanden", erklärte Peter Seeger, Geschäftsführer der IG Metall Kiel-Neumünster. "Wir haben gemeinsam Verabredungen zur Stärkung der Industrie getroffen. Das könnte auch Beispiel für andere Regionen im Land sein."
Auf der Betriebsrätetagung wurde auch der im Campus-Verlag erschienene Sammelband "Industriepolitik in den Bundesländern. Perspektiven, Maßnahmen, Ziele" vorgestellt, den Wolfgang Lemb herausgegeben hat. Im Zentrum des Buches steht die Frage, ob und inwieweit die Bundesländer eine proaktive Industriepolitik mit Gewerkschaften und Arbeitgebern entwickeln und somit gesellschaftspolitische Anliegen berücksichtigen.