Mehr als 50.000 Menschen beteiligen sich an Befragung

IG Metall Küste: Beschäftigte wünschen sich Arbeitszeiten, die besser zum Leben passen

(18.05.2017) In einer Befragung der IG Metall haben sich im Bezirk Küste mehr als 50.000 Menschen aus 587 Betrieben damit auseinandergesetzt, welche Arbeitszeiten zu ihrem Leben passen. "Die meisten Beschäftigten wünschen sich kürzere Arbeitszeiten und mehr Möglichkeiten, selbst über ihre Arbeitszeiten zu entscheiden", sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, heute bei der Vorstellung der Ergebnisse auf der Bezirkskonferenz in Hamburg. "Wunsch und Realität liegen in den Betrieben häufig weit auseinander. Die Hälfte der Beschäftigten hätte zum Beispiel gern eine 35-Stunden-Woche, doch Dreiviertel der Befragten gab an, dass sie tatsächlich mehr arbeiten."

Ausgeprägt ist auch der Wunsch der Beschäftigten, die Arbeitszeiten zeitweise absenken zu können, etwa für die Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen oder berufliche Weiterbildung. "Die Beschäftigten erwarten für die flexiblen Arbeitszeiten, die es in den Betrieben gibt, eine Gegenleistung vom Arbeitgeber, auf die sie einen Anspruch haben", erklärte IG Metall-Bezirksleiter Geiken. "Die Beschäftigten verlangen mehr Rechte, um über ihre Arbeitszeiten selbst zu entscheiden. Sie wollen nicht Bittsteller beim Arbeitgeber sein", so der Gewerkschafter. Um solche Forderungen durchzusetzen, bereite sich die IG Metall schon jetzt intensiv auf die Ende des Jahres beginnende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie vor.

Insbesondere in Betrieben, in denen Tarifverträge gelten und sich Betriebsräte für gute Regelungen einsetzen, war die Zufriedenheit mit der Arbeitszeit in der Befragung groß. "Die IG Metall hat die Frage der Tarifbindung als die zentrale Gerechtigkeitsfrage benannt", sagte Wolfgang Lemb, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall vor den 150 Delegierten und Gästen. "Konkret und praktisch umgesetzt haben wir unsere Bemühungen um mehr Tarifbindung im letzten Jahr in 145 Betrieben mit 36.000 Beschäftigten, für die erstmals Tarifbindung hergestellt werden konnte. Das heißt 36.000 mal höhere Entgelte, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Urlaub".

Niedriger ist die Zufriedenheit mit der Arbeitszeit im Osten, wo die Tarifbindung geringer ist und die tarifvertraglichen Arbeitszeiten in den meisten Branchen länger als im Westen sind. "Für uns ist das Ansporn, insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit den Beschäftigten weitere Betriebe in die Tarifbindung zu bekommen und damit ein Stück mehr Gerechtigkeit zu erreichen", erklärte Geiken. Unzufriedener mit ihren Arbeitszeiten sind außerdem Beschäftigte in Schichtarbeit, die besonders belastet sind. "Bei ihnen ist der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung besonders stark. So wollen sie beispielsweise die freie Wahl haben, wann sie Freischichten nehmen können", sagte der Gewerkschafter.