Mehr als 260 Teilnehmer bei zweiter Automobilkonferenz des Bezirks in Bremen:

IG Metall Küste: Wandel in der Automobilindustrie im Interesse der Beschäftigten gestalten

(14.05.2019) Der Wandel in der Automobilindustrie, der durch die Digitalisierung und die Mobilitäts- und Energiewende bedingt ist, muss im Interesse der Beschäftigten gestaltet werden. Dafür haben sich mehr als 260 Betriebsräte und Vertrauensleute von Automobilherstellern und Zulieferern aus Bremen und Nordwestniedersachsen auf der zweiten Automobilkonferenz des IG Metall Bezirks Küste am Dienstag im Mercedes-Benz-Kundencenter in Bremen stark gemacht.

Podiumsdiskussion mit Betriebsräten auf der Automobilkonferenz: Yannik Bavendiek, Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung von Mercedes-Benz Bremen, Michael Peters, Betriebsratsvorsitzender von Mercedes-Benz Bremen, Kristina Läsker, Moderatorin der Konferenz und Chefin vom Dienst bei Spiegel Online, Bianca Rudy, Betriebsrätin bei Grammer System in Bremen und Herbert de Vries, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender von VW Emden (v.l.n.r.)(Foto: Peter Bisping)

"Die Umstellung der Produktion auf Elektrofahrzeuge bei VW in Emden und Mercedes-Benz in Bremen wird zu massiven Veränderungen für die Beschäftigten in den beiden Unternehmen und bei vielen Zulieferern führen. Darauf müssen die Unternehmen reagieren", sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste. "Wir werden nicht einfach zu gucken, wie tausende Arbeitsplätze im Nordwesten verschwinden. Wir wollen den Wandel in der Automobilindustrie gestalten und dadurch Arbeitsplätze und Standorte sichern." Die IG Metall hat eine bundesweite Befragung zur Transformation gestartet, an der sich im Bezirk Küste bereits 190 Betriebe beteiligt haben. "Wir wollen wissen, wie die konkreten Auswirkungen in den Betrieben sind, wie sich die Beschäftigung verändert und was die Unternehmen tun, um Arbeitsplätze zu sichern und Mitarbeiter zu qualifizieren", so der Gewerkschafter.

Bremens Bürgermeister Dr. Carsten Sieling sagte auf der Konferenz: "Die Automobilindustrie ist einschließlich der gesamten Zuliefererlandschaft für den Industriestandort Deutschland von zentraler Bedeutung und auch Bremen ist seit vielen Jahren ein überaus erfolgreicher Standort für den Automobilbau. Das Mercedes-Benz-Werk wird als größter privater Arbeitgeber unserer Stadt in wenigen Wochen mit der Produktion des neuen Elektrofahrzeugs EQ ein neues Kapitel in der Firmengeschichte aufschlagen. Das freut mich besonders, weil die Automobilindustrie sich in den kommenden Jahren weltweit großen Herausforderungen stellen muss. Mit dem Auto-Terminal Bremerhaven, der Ernennung zur Modellregion Elektromobilität sowie der exzellenten Arbeit in der Forschung an unseren Universitäten und Hochschulen verfügen wir als Bundesland über attraktive Rahmenbedingungen, die der Senat auch in Zukunft gemeinsam mit den Unternehmen und im Sinne der vielen Tausend Beschäftigten ausbauen und weiterentwickeln wird."

IG Metall-Bezirksleiter Geiken forderte dazu auf, Mobilitäts- und Energiewende zusammenzudenken. "Der Umstieg auf E-Mobilität wird ohne eine funktionierende Energiewende nicht gelingen. Deshalb braucht es jetzt schnell einen stärkeren Ausbau der erneuerbaren Energien, verbunden mit Investitionen in die Speichertechnologie, Verteilnetze und eine flächendeckende Ladeinfrastruktur." Der Gewerkschafter machte sich erneut für die Ansiedlung einer Batteriezellproduktion in Emden stark. "Um eine Abhängigkeit von anderen Anbietern zu vermeiden, ist der Aufbau einer eigenen Produktion unverzichtbar", sagte Geiken. "Der Vorteil für Emden liegt auf der Hand: Das Werk könnte mit Windstrom betrieben werden. Nur dann ist es tatsächlich ökologisch sinnvoll."

Unter dem Motto "Bereit für die Zukunft – Mobilität neu denken" diskutierten die Gewerkschaftsvertreter auf der Veranstaltung mit Gästen wie Bremens Bürgermeister Dr. Carsten Sieling, dem SPD-Bundestags-abgeordneten Johann Saathoff, Markus Keicher, Standortleiter Mercedes-Benz-Werk Bremen, Ingo Steinkrüger, Vorsitzender der Geschäftsführung thyssenkrupp System Engineering sowie Andreas Dick, Werkleiter von VW in Emden.