IG Metall Küste:

Schiffbau-Umfrage 2009

(29.09.2009) Die IG Metall Küste hat vor massiven Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise auf den Schiffbau in Deutschland gewarnt. Nach der heute vorgestellten Schiffbau-Umfrage 2009 sind auf den Werften nur noch rund 17.500 Menschen direkt beschäftigt – rund 3.100 weniger als vor einem Jahr (minus 15 Prozent).

„Das ist ein dramatischer Rückgang innerhalb eines Jahres“, sagte IG Metall-Bezirksleiterin Jutta Blankau. „Auf den Werften arbeiten jetzt so wenig Menschen wie nie zuvor.“

Die Gewerkschaft fordert von Industrie und Politik, alles für den Erhalt des Schiffbaus zu tun: „Den Verlust von weiteren Standorten und einen weiteren Beschäftigungsabbau können wir uns nicht leisten. Sie gefährden die Branche in ihrer Existenz“, erklärte Blankau. Ihrer Meinung nach gibt es keine klaren Weichenstellungen für die künftige Entwicklung des Schiffbaus: „Die Reaktionen der Arbeitgeber in den vergangenen Wochen lassen keine strategischen Konzepte zur Bewältigung der Krise erkennen“, so die IG Metall-Bezirksleiterin.

Nach der Umfrage nutzen die Werften nach wie vor Arbeitszeitkonten, Überstunden, Leiharbeit und Werksverträge in großem Umfang. So arbeiten auf den Werften noch immer mehr als 1.800 Leiharbeitskräfte. Bezogen auf die gesamte Belegschaft ist das eine durchschnittliche Leiharbeitsquote von 10,4 Prozent (Vorjahr: 16,6 Prozent). Hochgerechnet auf alle deutschen Werften ergibt sich durch Arbeitszeitkonten, Überstunden, Leiharbeit und Werksverträge ein Arbeitszeitäquivalent von rund 12.500 Vollzeitarbeitsplätzen. „Hätten die Unternehmen nur ein Viertel davon zur Schaffung von Arbeitsplätzen genutzt, wäre es rechnerisch zu keinem Arbeitsplatzabbau auf den Werften gekommen“, sagte Bezirksleiterin Blankau.

Die Ausbildungsquote, also der Anteil der Auszubildenden an den Gesamtbeschäftigten, ist im Vergleich zum Vorjahr auf rund 8 Prozent leicht gestiegen. „Mehr als 90 Prozent der Lehrlinge wurden nach ihrer Ausbildung auch übernommen. Allerdings haben nur noch wenige einen unbefristeten Arbeitsvertrag bekommen“, kritisierte die IG Metall-Bezirksleiterin.

Blankau warnte die Arbeitgeber zudem vor einem ruinösen Lohnwettbewerb: „Wer glaubt, die Löhne weiter drücken zu müssen, wird auf den Widerstand der IG Metall und der Beschäftigten stoßen“, sagte Blankau mit Blick auf die Nordic-Werften in Wismar und Rostock-Warnemünde, die von den Beschäftigten einen Lohnverzicht von etwa 25 Prozent gefordert hatten.

:: Präsentation Schiffbau-Umfrage 2009 (PDF | 372 KiB)

:: Schiffbau-Umfrage 2009 (PDF | 1259 KB)

:: Positionspapier IG Metall (PDF | 17 KB)