(19.02.2018) Nach massivem Widerstand von IG Metall, Betriebsrat und Belegschaft wird die Schließung des Standortes Emden von thyssenkrupp Marine Systems (tkMS) bis Ende 2020 ausgesetzt. Das ist das Ergebnis von Verhandlungen zwischen Gewerkschaft, Betriebsrat und Unternehmen heute in Emden, die von IG Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken und thyssenkrupp-Personalvorstand Oliver Burkhard angeführt wurden.
IG Metall, Betriebsrat und thyssenkrupp haben sich auf folgende Eckpunkte geeinigt:
1. Die Entscheidung zur Schließung und damit zur vollständigen Integration des Standortes Emden wird bis zum 31.12.2020 ausgesetzt. Für einzelne Bereiche soll bis zum 31.12.2018 nach Möglichkeit eine gemeinsame Lösung mit IG Metall und Betriebsrat gefunden werden, da diese Bereiche ohnehin vor dem Hintergrund der Umstrukturierungen im thyssenkrupp Konzern sowie bei der thyssenkrupp Marine Systems betrachtet werden müssen.
2. Die Aussetzung erfolgt vor dem Hintergrund der ausstehenden Vergabeentscheidung zum Programm MKS 180, die die Auslastungssituation der tkMS insbesondere im Bereich Überwasserschiffbau erheblich beeinflusst. In Bezug auf die Vergabeentscheidung des Bundes ist vor allem zu bewerten, welche Konsequenzen sich nunmehr aus der Ankündigung im Koalitionsvertrag ergeben, den “Überwasserschiffbau als deutsche Schlüsseltechnologie“ zu bewerten.
3. Den Mitarbeitern wird darüber hinaus im Rahmen eines noch mit IG Metall und Betriebsrat zu vereinbarenden Freiwilligenprogramms eine Versetzung an einen anderen Standort angeboten.
4. Spätestens zum 30.06.2020 wird dann im Rahmen von weiteren Gesprächen und ggf. Verhandlungen über die Aktivitäten am Standort Emden erneut beraten und anschließend entschieden.
IG Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken sagte: „Trotz schwieriger und langwieriger Verhandlungen haben wir für die Beschäftigten viel erreicht. Statt über die Schließung sprechen wir jetzt darüber, wie der Standort und die Arbeitsplätze erhalten werden. Wir werden jetzt alles daran setzen, dass die Ideen aus unserem Zukunftskonzept umgesetzt werden und die bislang ungenutzten Potentiale des Standortes etwa durch Kooperationen besser genutzt werden.“
Michael Hehemann, Geschäftsführer der IG Emden ergänzte: „Die Schließung des Standortes Emden löst nicht die Probleme, sondern verschärft sie. Das hat nun offenbar auch das Management erkannt. Möglich war das Ergebnis nur durch den beispiellosen Kampf der Belegschaft sowie die breite Unterstützung aus der Region sowie von Landes- und Bundespolitik.“
Amke Wilts-Heuse, Betriebsratsvorsitzende von tkMS in Emden: „Die Ankündigung der Schließung Ende August vergangenen Jahres war ein Schlag. Ich bin stolz auf diese Mannschaft, die trotz aller Widrigkeiten zusammenhält. Das macht uns Emder aus. Alle Beschäftigten am Standort zusammen haben an die 4000 Jahre Erfahrung im Schiffbau. Wir werden weiter alles dafür tun, dass dieser Wissensschatz erhalten bleibt.“