"Beschäftigungspolitische Katastrophe" im Herbst verhindern

IG Metall Küste ruft zu Aktionswoche vom 22. bis 26. Juni auf

(19.06.2020) Drohende Insolvenzen, Standortschließungen, Stellenstreichungen und Angriffe auf Tarifverträge und Mitbestimmung: Auf die sich zuspitzende Situation in der Automobilindustrie, in der Luft- und Raumfahrtbranche, in Teilen des Handwerks und des Maschinenbaus, der Stahlindustrie sowie auf den Werften will die IG Metall Küste mit einer Aktionswoche vom 22. bis 26. Juni 2020 aufmerksam machen. Metallerinnen und Metaller aus mehr als 100 Betrieben in allen fünf norddeutschen Bundesländern beteiligen sich. Geplant sind Autokorsos, kleinere Kundgebungen und Informationsveranstaltungen.

"Jeden Tag kommen neue Hiobsbotschaften. Bei Unternehmen wie den MV Werften oder der Meyer Werft sowie Airbus und Premium Aerotec ist das Wachstum durch Corona jäh gestoppt worden", sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste. "Jetzt gilt es, eine Brücke in die Zukunft zu bauen. Dabei helfen die Förderprogramme von Bund und Ländern sowie die Kurzarbeit. Eine Verlängerung der Regelung auf zwei Jahre ist nötig, um längere Phasen der Unterauslastung abzufangen."

Der Gewerkschafter kündigte massiven Widerstand an, wenn Arbeitsplätze gestrichen und tarifliche Standards wie Einkommen in Frage gestellt werden sollten. "Unter dem Deckmantel von Corona versuchen manche Arbeitgeber, lange geplante Rationalisierungen durchzusetzen", so Friedrich. "Dagegen werden sich die Belegschaften wehren. Nur so wird sich eine beschäftigungspolitische Katastrophe im Herbst verhindern lassen."

Die aktuellen Ergebnisse einer Befragung von 650 Betrieben mit 217.000 Beschäftigten im IG Metall Bezirk Küste zeigt, wie angespannt die Situation weiterhin ist. 70 Prozent der Unternehmen sind in Kurzarbeit oder planen diese für die nächste Zeit. Fast 80 Prozent melden, dass bei ihnen Arbeitszeitkonten und Resturlaub abgebaut werden. Lieferketten sind in knapp 60 Prozent der Unternehmen gefährdet oder gestört. Neun Prozent der Unternehmen haben Liquiditätsengpässe.

Die Aktionswoche steht unter dem Motto "Wenn wir zusammenhalten, ist alles möglich". Die IG Metall Küste hat dazu auch Vorschläge für Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft vorgelegt. "Nach Corona darf es kein Weiter-so geben. Wir brauchen einen neuen Aufbruch: zu einem handlungsfähigen Staat, einer zukunftsfähigen, klimafreundlichen Wirtschaft und einem solidarischen Europa", erklärte Bezirksleiter Friedrich. "Über das Papier wollen wir mit unseren Mitgliedern in den Gremien der IG Metall vor Ort diskutieren."

:: Diskussionspapier IG Metall Küste als PDF (PDF | 742 KiB)

:: Flugblatt Aktionswoche als PDF (PDF | 1231 KB)



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Heiko Messerschmidt
Pressesprecher
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