Schiffbauumfrage 2011
Abbau von Arbeitsplätzen auf Werften verlangsamt sich
(27.09.2011) Der Abbau von Arbeitsplätzen auf den deutschen Werften setzt sich weiter fort, wenn auch nicht mehr ganz so schnell wie zum Höhepunkt der Krise in 2009. Nach der Schiffbaustudie von IG Metall Küste und dem Institut Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen, die heute in Hamburg vorgestellt wurde, gingen auf den Werfen innerhalb der vergangenen zwölf Monate mehr als 400 Jobs verloren. Das ist wie im Vorjahr ein Rückgang um knapp vier Prozent (2009: minus 15 Prozent). Seit 2008 sind damit im deutschen Schiffbau rund 4200 Arbeitsplätze weggefallen.
Die Auftragseingänge sind weiterhin niedrig und liegen nur leicht über dem Niveau des Vorjahres. Allerdings zeigt sich erstmals deutlich, dass die Offshore-Industrie für neue Aufträge sorgt. „In den Büchern der Werften finden sich Errichter- und Rohrlegerschiffe sowie Umspannplattformen. Diese Aufträge stehen für den endgültigen Abschied vom Standardschiffbau und die Konzentration auf hochwertige Spezialschiffe“, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken. Er forderte die Bundesregierung auf, diesen Wandel durch eine aktive Industriepolitik zu unterstützen: „Die Offshore-Industrie bietet auch für Werften und Zulieferer eine große Chance. Die Verantwortlichen in Berlin haben das bislang nicht erkannt. Wir erwarten konkrete Ergebnisse von den Beratungen zu Fragen der Finanzierung von Offshore-Projekten und Schiffbauindustrie, zu denen der Maritime Koordinator der Bundesregierung eingeladen hat“, so der Gewerkschafter.
Positiv bewertet die IG Metall, dass die Ausbildungsquote auf den Werften mit knapp acht Prozent auf einem hohen Niveau bleibt. „Insbesondere kleinere Unternehmen setzen durch die Einstellung von überdurchschnittlich vielen Auszubildenden auf eine Sicherung der Fachkräfte“, erklärte Geiken. Dass der Anteil von Befristungen bei Neueinstellungen auf ein Drittel zurückgegangen ist, wertet er ebenfalls als gutes Zeichen. „Offenbar erkennen die Arbeitgeber, dass sie den Beschäftigten eine langfristige Perspektive bieten müssen, um sie für ihr Unternehmen zu gewinnen“, so der Bezirksleiter.
Nach der Schiffbauumfrage, an der sich die Betriebsräte von 41 Schiffbaubetrieben beteiligten, haben auch in diesem Jahr 14 Werften Kurzarbeit genutzt, um Zeiten der Unterauslastung ohne Entlassungen zu überstehen. „Das Instrument der Kurzarbeit hat sich gerade in einer Branche wie dem Schiffbau bewehrt, in der sich die negativen Folgen der Weltwirtschaftskrise langfristig auswirken“, sagte Geiken. Auf Unverständnis stößt bei ihm, dass trotz Kurzarbeit und Abbau von Beschäftigung die durchschnittliche Leiharbeitsquote auf inzwischen 15 Prozent (2010: 12 Prozent) gestiegen ist. „Ein Anteil von Leiharbeit zwischen 30 und 50 Prozent ist im Schiffbau keine Seltenheit. Durch die meist schlechtere Bezahlung wird dadurch auch der Druck auf die Stammbelegschaften erhöht“, kritisierte Geiken.
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