Zentrale Kundgebung morgen in Bremerhaven:
Mehr als 6.500 Beschäftigte fordern Erhalt der Werften und Zulieferer
(10.09.2009) Mehr als 6.500 Beschäftigte der norddeutschen Werften und Zulieferer haben am Donnerstag für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert. An insgesamt 13 Standorten in Niedersachen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen gab es am Vormittag Proteste.
„Wir sehen die Entwicklung in der Schiffbau-branche mit großer Sorge. Die Beschäftigten spüren die Auswirkungen der Krise immer stärker“, sagte Jutta Blankau, Bezirksleiterin der IG Metall Küste.
Kritik äußerte sie an der Ankündigung des ThyssenKrupp-Konzerns, die Nordseewerke Emden zu verkaufen: Windenergie sei ohne Zweifel eine Zukunftsbranche, trotzdem dürfe sich ThyssenKrupp jetzt aber nicht endgültig aus dem Schiffbau verabschieden. „Einen Rückzug auf Raten werden wir nicht hinnehmen“, erklärte die Gewerkschafterin. Der Verkauf der Werft in Emden habe massive Auswirkungen auf die TKMS-Standorte in Hamburg und Kiel. „Der ThyssenKrupp-Konzern hat eine industriepolitische Verantwortung, die er bei seinen Entscheidungen nicht außer acht lassen darf“, sagte Blankau. „Die Landesregierungen müssen jetzt darauf achten, dass es bei der zugesagten Verteilung der Aufträge bleibt.“
Unter dem Motto „Schiffbau – das sind wir“ ist morgen, Freitag, von 11.30 Uhr eine zentrale Kundgebung in Bremerhaven geplant. Anlass ist das Leadership-Treffen, bei dem die Chefs der großen europäischen Werften, die europäischen Wirtschaftsminister und der Europäische Metallgewerkschaftsbund (EMB) mit EU-Industriekommissar Günter Verheugen zusammenkommen. Zu der Demonstration werden mehrere hundert Beschäftigte der Werften und Zulieferbetriebe aus Bremerhaven, Delegationen der deutschen Werften sowie aus den Niederlanden, Spanien und Frankreich erwartet. Redner sind u.a. EU-Industriekommissar Verheugen, der Generalsekretär des Europäischen Metallarbeiterbundes (EMB), Peter Scherrer und IG Metall-Bezirksleiterin Blankau.
Überblick über die heutigen Proteste:
Niedersachsen / Bremen
Auf den Nordseewerken in Emden gab es eine außerordentliche Betriebsversammlung in der Halle und vor dem Tor mit insgesamt 1.200 Teilnehmern. Auch rund 3.000 Kollegen der Meyer-Werft und der Zulieferer in Papenburg beteiligten sich an dem Werftaktionstag. Proteste gab es auch bei Abeking & Rasmussen in Lemwerder sowie bei Fassmer, Lürssen und auf der Roland-Werft in Berne. Auch auf der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack wurden Flugblätter verteilt.
Mecklenburg-Vorpommern
In Rostock-Warnemünde beteiligten sich etwa 600 Beschäftigte der früheren Wadan Yards an einer Kundgebung vor dem Tor. Die Redner standen auf dem Rettungsboot, das morgen auch bei der zentralen Kundgebung in Bremerhaven sein wird. Mehr als 700 Kollegen der Volkswerft Stralsund und rund 400 Beschäftigte der Peene-Werft Wolgast beteiligten sich ebenfalls an den Werftaktionstagen.
Schleswig-Holstein
Bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft beteiligten sich 400 Beschäftige an einer Protestaktion vor dem Betriebsratsbüro. Bei Peters-Schiffbau in Wewelsfleth werden am frühen Nachmittag mehr als 150 Beschäftigte bei einer Kundgebung erwartet. In Kiel gab es am Vormittag eine Tagung der Schiffbau- und Zulieferindustrie auf der Lindenau-Werft. Daran beteiligten sich 80 Betriebsräte u.a. von HDW, Lindenau, Gebr. Friedrich Schiffswerft, Caterpillar, Raytheon Anschütz, L3 Elac Nau-tik, Thales Defence, Sauer & Sohn sowie Zöllner Signalanlagen, die insgesamt 5.000 Beschäftigte vertreten.
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