Der Organisierungsgrad wächste

Regionale Mobilisierung

(06.11.2007)

Ich finde es nicht in Ordnung, dass unser Arbeitgeber, der auch noch Innungsobermeister ist, sich nicht an die gültigen Tarife hält.

Michael Mumme, neugewählter Betriebsrat bei Thomsen

Autohaus Thomsen: Als das Urlaubsgeld nicht gezahlt wurde wählte die Belegschaft einen Betriebsrat

Kropp n Das Autohaus Thomsen in Kropp gehört zur Lüttmer-Gruppe. In der Lüttmer-Gruppe arbeiten rund 140, im Autohaus Thomsen knapp 30 Beschäftigte (mit Auszubildenden). Inhaber Hanno Lüttmer ist Innungsobermeister der Schleswiger Innung. Als das Urlaubsgeld nicht gezahlt wurde, hat die Belegschaft einen dreiköpfigen Betriebsrat gewählt.
»Die Kolleginnen und Kollegen brauchen das Urlaubsgeld und haben auch einen tariflichen Anspruch darauf. Ich finde es nicht in Ordnung, dass unser Arbeitgeber, der auch noch Innungsobermeister ist, sich nicht an die gültigen Tarife hält. Wenn er in einer wirtschaftlichen Not wäre, könnte er mit der IG Metall über einen Sanierungstarifvertrag verhandeln. Dieses lehnt er aber strikt ab.«, berichtet Michael Mumme, der Vorsitzende des neu gewählten Betriebsrates. »Schlimm finde ich auch, dass unser Arbeitgeber allen droht, die das Urlabusgeld einklagen wollen. Wir arbeiten gerne in den Autohäusern und leisten gute Arbeit. Wir wollen dementsprechend vernünftig behandelt werden. Die Kfz-Tarifverträge bilden dafür eine Grundlage«

Autohausgruppe Rathje: Als Reaktion auf Kürzungen und Innungsaustritt haben die Beschäftigten erstmals Betriebsräte gewählt

Bordesholm n Die Geschäftsleitung der Rathje-Autohäuser in Kiel, Neumünster, Preetz und Bordesholm wollte in diesem Jahr das Urlaubsgeld streichen und die Arbeitszeit (ohne Lohnausgleich) verlängern. Für die Belegschaften war das Maß damit voll. Als Reaktion wählten sie mit Unterstützung der IG Metall erstmals Betriebsräte (siehe Foto auf Seite 1). Information, Beteiligung und viele neue Mitglieder waren die Grundlage dafür.
Erste Erfolge sind sichtbar: Die Geschäftsführung will sich jetzt mit der IG Metall Kiel an den Verhandlungstisch setzen. »Die Beschäftigten stehen hinter uns«, sagt Kay Uwe Wegner, BR-Vorsitzender in Kiel und Neumünster. »Wichtigstes Ziel ist jetzt die Rückkehr zu den tarifvertraglichen Regelungen.«

Autohausgruppe Schmidt & Hoffmann:
Empörung über Tarifflucht und »Nasenprämien«

Kiel n Die schleswig-holsteinische Autohausgruppe Schmidt & Hoffmann GmbH ist mit zwei ihrer Betriebe in Kiel aus der Kfz-Innung ausgetreten. Dadurch will sich der Arbeitgeber von Tarifverträgen verabschieden.
Für IG Metall-Mitglieder im Volkswagenzentrum und VW-Nutzfahrzeugzentrum in Kiel gelten seit Ende vergangenen Jahres die alten Tarifverträge in Nachwirkung. In den beiden Betrieben der Autohausgruppe sind etwa 100 Beschäftigte von der Tarifflucht betroffen.
Mit einer Einmalzahlung wollte die Geschäftsführung die teils besorgten und teils empörten Beschäftigten beruhigen. »Das ist ein Ablenkungsmanöver«, sagt der Kieler IG Metall-Handwerkssekretär Michael Börngen und fordert gemeinsam mit den Betriebsräten sichere Tarifverträge. Die Einmalzahlung sei nur eine freiwillige Zahlung ohne Rechtsanspruch. Man sehe außerdem die Gefahr einer Nasenprämie.
»Ich bin entsetzt über den Innungsaustritt des Geschäftsführers. Die Einmalzahlungen ersetzen keine verlässliche Tarifvereinbarung«, kritisiert Frank Trieglaff, Mitglied der neu gewählten Tarifkommission im Kieler Volkswagenzentrum.
Und Gerd Wiesert, Tarifkommissionsmitglied aus dem Kieler Nutzfahrzeugzentrum fügt hinzu: »Seit Jahren zeigen wir als Belegschaft mit sicheren Tarifverträgen eine hohe und flexible Arbeitsbereitschaft und gute Motivation. Das soll auch so bleiben.«



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Heiko Messerschmidt
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